Über 500 Treppenstufen tief ins Innere des Staudamms Göscheneralp
Dort, wo Wasser zu Strom wird und Geschichte auf Energiezukunft trifft: JCI Uri besichtigt den Staudamm Göscheneralp.
Am Donnerstag, 17. September 2026, folgten 17 Mitglieder der Jungen Wirtschaftskammer Uri (JCI Uri) der Einladung von Präsident Sandro Imhasly zur Besichtigung des imposanten Staudamms Göscheneralp. Als fachkundiger Begleiter führte Edwin Muther, ehemaliger langjähriger Mitarbeiter des Kraftwerks Göschenen, die Gruppe auf eine spannende Entdeckungstour ins Innere des mächtigen Erddamms.
Dort, wo einst rund 100 Menschen mit ihren Nutztieren lebten, entstand in den 1950er-Jahren einer der grössten Erdstaudämme der Schweiz. Ursprünglich war der Bau eines Staudamms bei der Teufelsbrücke geplant. Aufgrund des grossen Widerstands der Urschner Bevölkerung wurde das Projekt jedoch ins Göscheneralptal verlegt. Heute erinnert nur noch die Glocke des ehemaligen Kirchturms auf der Dammkrone an die damalige Siedlung. Mit enormem Einsatz errichteten bis zu 1'000 Arbeiter den rund 150 Meter hohen und 550 Meter langen Damm aus Opalinuston und heimischem Gestein. Die damaligen Baumaschinen und Lastwagen verbrauchten täglich rund 25'000 Liter Diesel. Die Gesamtkosten für den Bau des Staudamms, des Kraftwerks und der zugehörigen Leitungen beliefen sich auf rund 350 Millionen Franken.
Der Stausee wird mit Wasser aus der Göscheneralp, dem Voralptal und dem hinteren Urserntal gespeist und kann rund 75 Millionen Kubikmeter Nutzwasser speichern. Anders ausgedrückt: Im Göscheneralpstausee hätten rund 500 Millionen Badewannen Platz. Der Wasserstand des Sees wird innerhalb klar definierter Grenzen reguliert und mithilfe modernster Messtechnik laufend überwacht.
Nach dem Abstieg über mehr als 500 Treppenstufen erreichten die JCI-Mitglieder zunächst die Drosselklappenkammer und anschliessend die Grundablasskammer. Dort können bis zu 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchfliessen. Die erzeugte Energie wird von den beiden Hauptaktionären des Kraftwerks Göschenen, den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW), genutzt. Aktuell wird eine Erhöhung der Staumauer um rund 15 Meter diskutiert. Damit könnte die Speicherkapazität erweitert und die Energieproduktion insbesondere während der Wintermonate gesteigert werden.
Nach den faszinierenden Einblicken in die technischen Anlagen im Innern des Staudamms brachte die Stollenbahn die JCI-Delegation wieder ans Tageslicht. Anschliessend liessen die Teilnehmenden den gelungenen Anlass in gemütlicher Runde ausklingen.