Ein Blick hinter die Kulissen eines Jahrhundertprojekts

Bevor wir uns mit Helm, orangem Overall und Sicherheitsschuhen auf den Weg zur Besichtigung der zweite Gotthard‑Strassenröhre auf der Nordseite machten, wurden wir von der Bauleitung im Infocenter Göschenen empfangen. 

In einem informativen Vortrag erhielten wir die wichtigsten Eckdaten zum Projekt; von den übergeordneten Zielen, über den aktuellen Baufortschritt bis hin zu den technischen und organisatorischen Herausforderungen. Diese Einführung vermittelte uns einen wertvollen Gesamtüberblick und schuf das notwendige Verständnis für die Dimension und Bedeutung dieses Jahrhundertprojekts – eine ideale Grundlage für die anschliessende Besichtigung.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf betraten wir einen Ort, den nur wenige je von innen sehen: die zweite Gotthard‑Strassenröhre. Schon beim Betreten des Tunnels wurde klar, welche Dimensionen dieses Bauwerk annimmt. Meterhohe Betonwände, kilometerlange Röhren und eine hochpräzise Baustellenlogistik vermittelten eindrücklich, welch enorme planerische und technische Leistung hinter dem Projekt steckt. Unsere Begleiter erklärten uns mit grosser Fachkenntnis die einzelnen Bauetappen, die Sicherheitskonzepte sowie die besonderen geologischen Herausforderungen im Gotthardmassiv.

Besonders beeindruckend war der klare Fokus auf Sicherheit und Nachhaltigkeit. Die zweite Röhre dient vor allem der markanten Erhöhung der Sicherheit im Gotthardtunnel. Dass der bestehende Tunnel nach Inbetriebnahme der neuen Röhre saniert werden kann, ohne den Alpentransit zu unterbrechen, ist ein zentraler Nutzen des Projekts. Gleichzeitig wurde mehrfach betont, dass der Betrieb auch künftig einspurig pro Röhre erfolgen wird – ein klares Bekenntnis zur Verlagerungspolitik und zum Schutz der Alpen.

Für uns als Mitglieder der Junior Chamber International (JCI) Uri war die Besichtigung weit mehr als ein technischer Rundgang. Sie zeigte eindrücklich, wie langfristige Vision, politische Entscheide, Ingenieurskunst und konsequente Umsetzung zusammenwirken müssen, um ein solches Grossprojekt Realität werden zu lassen. Hinter jeder Kennzahl und jedem Bauabschnitt stehen Menschen, die mit hoher Verantwortung, Präzision und grossem Engagement arbeiten.

Der Besuch im Inneren der Gotthard‑Röhre hinterliess bei uns allen einen nachhaltigen Eindruck. Er schärfte den Blick für die Komplexität öffentlicher Infrastrukturprojekte und machte deutlich, wie zentral verlässliche Verkehrsverbindungen für den Kanton Uri und die gesamte Schweiz sind.

Mit grossem Respekt vor den beteiligten Fachkräften und einem Gefühl von Stolz, einen Blick hinter die Kulissen dieses Bauwerks erhalten zu haben, verliessen wir die Baustelle. Die Führung machte einmal mehr klar: Der Gotthard ist nicht nur ein Berg – er ist eine der wichtigsten Lebensadern unseres Landes.